Moldawien
-das Armenhaus Europa´s
ist auch mit einer Bevölkerungszahl von knapp 4 Millionen Menschen ein sehr kleines Land.
Die Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen: rumänische Moldauer, Ukrainer und Russen sowie noch kleiner Ethnien (Gagausen, Bulgaren, Deutsche, Tataren u.a.).
Der Großteil der Bevölkerung lebt neben der Hauptstadt Chisinau in den Städten Balti, Tiraspol und Tighina. Die Amtssprache ist Moldauisch, eine Art rumänischer Dialekt.
Moldawien ist ein politisch sehr instabiles Land.
Es gehörte zu Russland, ebenso wie zu Rumänien.
Seit Anfang der 1990er Jahre ist Moldawien unabhängig, womit sich die wirtschaftliche Lage Moldawien drastisch verschlechtert hat und es heute daher als „Armenhaus Europas“ gilt.
Trotz allem sieht man in der Hauptstadt mehr „Kapitalistenautos“ als in mancher deutschen Großstadt. Die Bevölkerung ist entweder reich oder arm, eine Mittelschicht gibt es so gut wie nicht. Korruption ist hier normal. Der durchschnittliche Arbeitslohn beträgt 200,- bis 300,- €.
Wie in so vielen ehemals kommunistischen Ländern sind die „Tempel der Macht“, sprich Regierungsgebäude etc., von großer Pracht.
Ebenso gibt es in jedem kleinen Dorf prachtvolle Kirchen, denn die Bevölkerung ist sehr gläubig.
Seit der letzten Wahl im April 2009 ist eine demokratische Regierung an der Macht.
Moldawien ist noch kein Mitglied der EU, was aber angestrebt ist. 1998 trat aber ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU in Kraft. Seit Mai 2009 trat Moldawien mit 5 weiteren GUS-Staaten der Östlichen Partnerschaft bei.
Moldawien ist landschaftlich ein schönes Land. Zwischen der Ukraine und Rumänien gelegen hat es zwar kein eigenes Meer, aber die Schwarzmeerküste ist die Urlaubsregion. Es gibt noch sehr viel grün, selbst in Chisinau gibt es sehr viele und große Parkanlagen. Jeder graue Wohnblock hat seine eigene kleine Grünanlage.
Und hier beginnt das Problem.
In diesen Grünanlagen und Parks wimmelt es nur so vor Straßentieren. Alleine in der Hauptstadt spricht man von ca. 30.000 Tieren.
Man „beseitigt“, dieses Problem mit brutalsten Methoden: großangelegte Vergiftungsaktionen, verbrennen bei lebendigem Leib, erschlagen, überfahren etc., es gibt keine Grausamkeit, die nicht angewandt wird.
Es gibt in Moldawien kein Tierschutzgesetz, jedoch ist die Tötung ohne erkennbaren Grund offiziell nicht erlaubt, aber das interessiert niemanden.
Es gibt sogar ein staatliches Todeshaus auf einer großen Müllhalde vor den Toren Chisinaus.
Dieses Haus sowie die Hundefänger unterstehen der Avista, die für die Stadtreinigung und den Müll verantwortlich ist, und das zeichnet auch den Wert der Tiere aus: MÜLL!!!!!! (oder noch weniger).
Die Tiere werden mit Riesenzangen gefangen und in einem alten Tankauto gesammelt, das sie dann ins Todeshaus bringt, der Endstation ihres Lebens.
Das Todeshaus ist – wie bereits erwähnt – auf einer großen Mülldeponie.
Einige kleine dunkle Zwinger, ohne Decken, Futter oder Wasser, sind die Endstation 1000er Tiere jährlich.
Dicht aneinandergedrängt, hoffnungslos warten sie hier auf ihren brutalen Tod. Denn es wird natürlich nicht euthanisiert, das kostet Geld und außerdem..... wo bleibt da der Spaß?
In der Regel werden die Tiere extra an dem dafür aufgestellten Pfahl erschlagen oder die Kehle aufgeschlitzt, weil man ja das Fell auch noch in der Pelzfabrik verwerten kann.
Die Kadaver der Tiere werden in eine große Grube geworfen, gelegentlich landet auch noch der eine oder andere lebende Hund darin und wird dann lebendig begraben. Die anderen Hunde müssen in ihren dunklen Löchern den Todeskampf ihres Gefährten voll erleben.
Vor einigen Jahren wurde unser Partnerverein „ALGA“ von Valentina Dudnic in Chisinau gegründet.
Valentina kämpft unermüdlich für die Tiere, sie geht bis zu den Spitzen der Regierung, nimmt kein Blatt vor den Mund und ist mutig genug, das Todesauto anzuhalten und die Fänger auf der Straße bloßzustellen und anzuprangern.
Hin und wieder darf sie mit einigen Tierschützern – ja, auch die gibt es in Moldawien und es werden zum Glück langsam immer mehr – ins Todeshaus und Hunde rausholen.
Was für eine schlimme und belastende Arbeit..... wer darf mit, wer muss da bleiben und grausam sterben!?
Bis vor einiger Zeit hat Valentina einen aussichtslosen Kampf geführt, aber sie hat nicht aufgegeben, hat in Schulen angefangen, die Kinder aufzuklären, dass auch Tiere ein Recht auf ein schmerzfreies Leben haben und Geschöpfe mit Gefühlen sind.
Inzwischen gab es erste Erfolge, in dem z.B. eine Schule Spenden für unser Tierheim sammelte.
Immer wieder organisiert sie Demonstrationen vor dem Todeshaus, gibt Interviews im Fernsehen und wird eingeladen, auf verschiedenen Ausstellungen mit einem Infostand dabei zu sein.
Letztes Jahr konnten wir nach langen Bemühungen endlich die Organisation 4 Pfoten Rumänien gewinnen, mit einer großangelegten Kastrationsaktion in Chisinau anzufangen.
Verträge mit der Regierung wurden unterschrieben.
Nach nur zwei Wochen zogen 4 Pfoten leider wieder ab, da es nach der Neuwahl im April zu großen Unruhen und Ausschreitungen kam.
Leider wurde das uns gegebene Versprechen, die Kastrationsaktion fortzuführen, bis jetzt nicht eingehalten.
Grund dafür ist u.a. das Nichteinhalten der besprochenen Punkte wie z.B. das Einstellen der Tötungen (auch die mit der blauen Ohrmarke gekennzeichneten kastrierten Tiere landeten wieder im Todeshaus).
Nach wie vor wäre das Kastrieren der Tiere die einzige und vor allem die einzige humane Methode, die Zahl der Straßentiere zu dezimieren.
Es gibt kein einziges staatliches Tierheim, obwohl es Geld für die Straßentiere gibt.
In welche Kanäle dieses Geld fließt, weiß keiner.
Ende 2007 haben wir Casa Katharina in einem Dorf nahe Chisinau gekauft und so einen kleinen Ort für Tiere geschaffen, in denen sie zum ersten Mal in ihrem Leben ohne Angst schlafen können und versorgt werden.
Wir bekommen vom Staat keinerlei Unterstützung, im Gegenteil, man macht uns ständig Auflagen.
Seit kurzem steigt der Druck auf die Regierung extrem.
Junge Leute haben verdeckt die brutalen Tötungen gefilmt und an die Öffentlichkeit ins Ausland gebracht.
Protestbriefe aus allen Teilen der Welt kommen inzwischen bei dem verantwortlichen Bürgermeister an.
Die ersten Gerüchte, es soll ein staatliches Tierheim errichtet werden, sind zu vernehmen.
Wir wissen nicht, wie sich der Tierschutz in Moldawien entwickelt. Wir hoffen, dass das Land, dass die Bevölkerung von Moldawien endlich erwacht und diesen grausamen Methoden Einhalt gebietet.
Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, uns für ein Tierschutzgesetz und dessen Einhaltung einzusetzen, aufzuklären, zu kastrieren. Wir setzen uns für die Rechte der Tiere mit einer kleinen, aber stetig wachsenden Gruppe Menschen in Moldawien ein.
Vor 2 Jahren wurde von 3 deutschen Frauen die Tiernotaufnahme „Casa Katharina“ gekauft.
Im Mai 2009 haben wir den Verein „Tiernothilfe Moldawien“ gegründet, um dieses Heim finanziell zu unterstützen.
Dieses Heim bietet im Schnitt 150 Hunden ein einigermaßen sicheres Leben.
Hier können viele Tiere zum ersten Mal in ihrem Leben schlafen ohne Angst haben zu müssen, erschlagen zu werden, bekommen regelmäßig Fressen und ab und zu auch mal eine liebevolle Berührung.
Im Heim leben auch viele behinderte Tiere und Welpen, die auf der Straße nicht überleben könnten.
Jedes Tier, egal aus welchem Land es stammt, hat ein Anrecht auf ein würdiges Leben.
Niemand hat uns Menschen das Recht gegeben, so mit unseren Mitgeschöpfen umzugehen.
Wer einmal in die Augen eines Hundes im Todeshaus geschaut hat, wer diese Hoffnungslosigkeit und Angst gesehen hat, wird nicht mehr zur Ruhe kommen, ohne wenigstens zu versuchen, etwas zu ändern.
Wir hoffen, dass uns noch viele Menschen, gerade auch aus Moldawien, bei diesem Kampf unterstützen. Jedes einzelne Tier ist es wert!
Bericht und Bilder
Andrea Fischbach
Tiernothilfe Moldawien















