Lobenswerter Bericht aus Italien
Eine der bekanntesten italienischen Tageszeitungen nahm Stellung zur Situation in Italien. Dies ist eher außergewöhnlich in einem Land, das zwar ein sehr gutes Tierschutzgesetz hat, in dem dieses jedoch nicht praktisch vollzogen wird und der Tierschutz als solches eher ein Schattendasein führt. Umso lobenswerter ist es, dass sich nun eine solch bekannte Zeitung dieses Themas angenommen hat. Und umso erstaunlicher ist es, dass man hier öffentlich den sich entwickelten Geschäftszweig der privaten Tierheime benannt hat.
Hier der Bericht in deutscher Übersetzung :
Zahlreich sind die Sensibilisierungsversuche. Die SMS-Kampagne: „Ich habe es gesehen!“
„Hunde ohne Besitzer“ , der „Angriff der 600.000“
Die Arbeit der Tierschützer, das Buiseness der privaten Zwinger.
Und mit dem Sommer vor der Tür kehrt der ausgesetzte Notfall zurück.
MAILAND
Sie sind viele, unmöglich sie zu zählen. Sie sind auf der ganzen Halbinsel verteilt, in Tierschutzvereinen zusammengeschlossen, ob groß oder klein oder auch einfach privat, die jeden Tag arbeiten, um zu schützen, zu sterilisieren, zu behandeln, Spaziergänge zu machen und alles tun, um ein Heim zu finden für die stumme Armee der Hunde ohne Halter.
In unserem Land beläuft sich ihre Zahl, gemäß den Angaben der Region, Ministerium für Wohlfahrt, auf 600.000, von denen 450.000 in einem Zustand der Verwahrlosung auf der Straße leben, vor allem im Süden.
Ohne die Tierschützer, die oft aus der eigenen Tasche Futter und Tierarzt bezahlen, wäre das Problem ungleich größer, mit erheblichen Gefahren für die Sicherheit der Menschen (siehe das Phänomen der herrenlosen Hunde im Süden) und den Portemonnaies der Italiener. Denn mit unseren Steuergeldern unterhalten die Kommunen per Gesetz Besitzer von herrenlosen Hunden, nachdem 1991 das Gesetz 281 verabschiedet wurde, dass das Töten eingefangener Hunde verbietet.
Auf der Straße und in Hundezwingern
Die Probleme, die mit dem Streunertum einhergehen, sind grundsätzlich zwei: die der Straßenhunde und die der Hunde, die in Zwingern eingesperrt sind. Silvia Esposito, 31 und Tierärztin in Somma Vesuviana, rechnet mit beiden ab. Seit je her sammelt sie kranke Hunde auf den Straßen des Vesuv Nationalparks ein, behandelt sie, kastriert sie und sucht für sie Adoptivplätze.
Aber damit nicht genug: in den letzten Jahren hat sie den Dialog mit dem Bürgermeister ihrer Stadt gesucht, um reibungslos mit ihrer Fotokamera in die Zwinger zu kommen, Bilder der Hunde zu machen und einen Aufruf für sie auf der Internetseite www.canidisomma.com zu veröffentlichen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, in ganz Italien gesehen und adoptiert zu werden.
Während die ASL Napoli 4 sich der Sterilisation der Hunde in Zwingern widmet, konzentriert sie sich auf die Hunde auf der Straße. Durchschnittlich werden von Silvia fünf Hunde pro Woche kastriert. Für mehr als zweihundert Hunde hat sie eine Familie gefunden. Dies ist ein Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Tierschützern und privaten Institutionen, aber nicht immer läuft alles so glatt.
Die Gans, die goldene Eier legt
Das Problem liegt tatsächlich in besagtem Gesetz 281/91.
Zusätzlich zur Verhinderung der Tötung von Hunden in Zwingern, bestraft dieses 281 das Aussetzen (was seit 2004 durch das Gesetz 189 eine Straftat ist), verpflichtet die Eigentümer, ihre Hunde zu tätowieren und sie im Hunderegister aufnehmen zu lassen (seit 2005 ist der Mikrochip obligatorisch), die Kommunen, die Zwinger zu sanieren, die ASL Sterilisationen durchzuführen und die Regionen, eigene Gesetze gemäß dem nationalen Recht herauszugeben.
Ein schweres Hemmnis für dieses Gesetz jedoch ist die Möglichkeit der Kommunen, die Verwaltung der Hunde für eine Kopfpauschale von 2 bis 7 Euro pro Hund an private Unternehmer zu vergeben. Durch diese Großaufträge haben viele Zwingerbetreiber große Gewinne gemacht, indem sie die Ausgaben für die Hunde so gering wie möglich halten und sich den Rest in die eigene Tasche stecken, oft mit Hilfe korrupter Beamter.
Das war der Grund, warum Kastrationen, die die Anzahl der Hunde tatsächlich reduziert hätten, nicht vorangetrieben wurden; wurden die Hunde doch regelrecht zur „Goldenen Gans“.
Und solange das Gesetz nicht geändert wird, wodurch alle Zwinger in die öffentliche oder die Hand von uneigennützigen Vereinen gegeben werden würden, wird für die italienischen Tierschützer und ihre Schützlinge das Schicksal immer wenig freundlich bleiben.
Glücklicherweise hat sich die Genialität von Tierfreunden der weniger glücklichen Tiere das außergewöhnliche Potential des Internet zunutze gemacht und Seiten wie www.misha.cc erstellt, auf denen Appelle für die Hunde auf der Suche nach einer Familie in ganz Italien veröffentlicht werden, was ihnen eine Sichtbarkeit gibt, die sie ohne das „große Netz“ nie gehabt hätten.
Die Not der Ausgesetzten
Die Tierschützer kämpfen noch gegen ein anderes Phänomen: das der Ausgesetzen, an die das Streunertum direkt gekoppelt ist. Dieses Phänomen betrifft eine kulturelle Rückständigkeit, die in Italien die Besitzer von Haustieren dazu bewegt, sich ihrer jedes Jahr zu entledigen, vor allem im Sommer ca. 50.000 Hunde und 80.000 Katzen.
Heutzutage hat sich die Sensibilität gegenüber diesem Phänomen gesteigert und zahlreich sind die Kampagnen gegen das Aussetzen. Eine interessante Initiative nennt sich „Ich habe es gesehen“, entstand aus der Zusammenarbeit von Prontofido und Radio 105, Radio Monte Carlo, Virgin Radio, Radio Bau & Co und Aida, und besteht aus einer SMS-Nummer (3341051030), an die man streunende Hunde auf der Autobahn melden kann.
Ab dem 13. August wird auf den Kinoleinwänden die Komödie Samson, inspiriert von dem Comic von Brad Anderson laufen, die, gemeinsam mit der Lav und dem Tourismusministerium, alle einlädt, ihre Haustiere mit in den Urlaub zu nehmen und welche zu adoptieren, die herrenlos sind.
Giorgia Rozza 27. Juli 2010
Übersetzt von Melanie Knies, Pfotenhilfe Europa, Team Italien
Hier der Link zum Orginaltext:



