Ein ital.Tierarzt sagt die Wahrheit...
Am 10.Januar 2011 publizierte der italienische Tierarzt Dr. Angelo Troi einen bemerkenswerten Artikel in der italienischen Online-Zeitung "Affariitaliani". Der Mut, die Hintergründe des italienischen Streunernotstandes so zu benennen, ist in Italien nicht selbstverständlich, ja bewunderungswürdig.
Wir möchten Ihnen diesen Artikel daher nicht vorenthalten :
Die Tierheim-Mafia und das Geschäft mit den Streunern - Eine Anklage
"Die Kosten für das Gesundheitswesen sind einer der kritischsten Punkte des italienischen Haushaltsplans, so weit nicht neues. Tatsächlich garantiert Italien eine Pflegestufe, welche in vielen anderen Industrienationen nicht gewährt wird. Nicht allen Bürgern ist jedoch bewusst, dass auch ein anderer Teil des Gesundheitswesen finanziert werden muss, nämlich der für Tiere.
Dieser war ursprünglich darauf ausgerichtet, die Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen zu verhindern und auch, um eine sichere Herkunft tierischer Lebensmittel zu gewährleisten. Aber in unserem Land entsteht eine neue Art der Tiermedizin, die der Streuner, welche den Unterhalt von Tierheimen, Tiertransporte, Krankenhäuser und sogar eine Krankenkasse vorsieht.
Das alles in Unwissenheit der Kosten, welche die Staatskassen belasten. Leider wurde das Gesundheitssystem dazu verbannt, nur reines Beiwerk/Zubehör zu sein. In dem Sinne, dass die Verbreitung von Infektionskrankheiten im ganzen Land nicht als Hauptproblem angesehen wird. Mit einer Ethik fragwürdiger Aspekte.
Gibt es eine Ethik der Folter? Des Tierheimwärters? Der zugefügten Leiden?
Das System der Streuner zu überdenken, bedeutet, sich einer schwierigen Aufgabe gegen Heuchlerei und Klischees zu stellen und sich mit unserer Disney Kultur auseinanderzusetzen.
Es bedeutet, Ethik zu praktizieren und unbequeme Fragen zu stellen.
Dass es ein System der Streuner gibt, ist sicher.
Paradoxerweise gibt es sogar ein Streunerreferat in der Gemeinde Lecce.
Der italienische Staat gibt zig Millionen Euro nur für die Instandhaltung aus, es gibt Tausende von Vereinen, Genossenschaften, Bewegungen, viele mit starken politischen Kontakten und großem Medienecho, die beweisen, dass es ein echtes System um die Streuner gibt. Bis hier nichts besonderes.
Immerhin gibt es andere Systeme in den verschiedensten Abstufungen von legitim bis korrupt in allen Aspekten des mühsamen italienischen Lebens. Wir beschweren uns schon lange nicht mehr über die üblichen uneingelösten Versprechen der Politiker und noch nicht mal über die verschwendeten Steuergelder.
Das Problem ist das unendliche und unbeschreibliche Leiden, welches den Tieren durch die Gefangenschaft in diesem politischen System zugefügt wird.
Um das System der Hundezwinger zu überdenken, braucht es vor allem klare Selbstkritik. Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen.
Die Hunde in den Zwingern leiden. Das beweisen uns auch Untersuchungen, einige ehrlich, andere nur, um Aufmerksamkeit zu erregen, anstatt etwas verbessern zu wollen. Das beweisen uns auch Tierärzte, aber auch eine einfache direkte Beurteilung der Dinge.
Man könnte das Leiden akzeptieren, wenn dadurch zukünftig Verbesserungen geschaffen würden. Dies ist aber nicht der Fall. Die Hunde sind Gefangene. Die Hunde sind die Opfer eines Systems, dessen einziges Interesse darin besteht, sie weiterhin gefangen zu halten, Macht und Geld zu erhalten und letzteres ohne Rücksicht weiterverteilen zu können.
Um dieses Leiden zu sehen, muss man nicht in die leider so verbreiteten “Lager-Zwinger/KZ-Tierheime” gehen. Auch in den reicheren Tierheimen leiden die Hunde, denn in diesem System dreht es sich nicht um sie oder um ihr Wohlergehen, sondern nur um die Tierheimbesitzer, welche noch das letzte Bisschen Gewinn rausholen und sich als fromme Seelen ausgeben, um die Realität zu vertuschen.
Die Hunde leiden, denn über die üblichen hygienischen und strukturellen Mängel hinaus, wird ihnen das Recht auf ein artgerechtes Leben verwehrt, im Namen eines abstrakten Rechts auf eine “Existenz”.
Niemand hat ein Interesse daran, diese Hunde zu vermitteln oder ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.
Auch unmöglich wäre die theoretische Überlegung, sie alle zu befeien. So werden die Besitzer der Hundezwinger von einer strafrechtlichen Haftung befreit.
Die Verantwortung wird so mit 1000 Tricks an alle und niemand weitergereicht und auf die lokale Verwaltung abgewälzt.
Und Hunderudel werden im besten Falle als Bettler und Aasfresser, im schlimmsten Falle als gnadenlose Killer angesehen.
Wenn diese Tiere die Möglichkeit hätten, ihre Situation zu erklären, wenn jemand eine Untersuchung machen würde, wenn eine unabhängige, mächtige Kommission Kosten und Nutzen der italienischen Streunerpolitik der letzten 20 Jahre bewerten würde, würde man all das Leiden, all die Verschwendung und Lügen zum Vorschein bringen, in welcher diese dunkle Ecke der italienischen Gesellschaft versinkt.
Das System der Tierheime überdenken bedeutet, dass man tugendhafte Mechanismen entwerfen müsste, welche das System der Streuner grundlegend verhindern. Es braucht nicht viel, die Erfahrungen anderer Nationen könnten uns nützen. Zum Beispiel eine Datenbank, in welcher der Besitzer seinen Hund wirklich eintragen muss und in der die Daten reell sind und nicht voller Lücken und mysteriös.
Wir müssen uns sogar die Frage stellen, ob das Tier weiterhin in einem Käfig leiden soll oder die letzte Alternative, die Euthanasie akzeptiert werden sollte, mitfühlend, mutig, als ein Akt der Zuneigung und des Respekts für Tiere, die das Recht haben, nicht als Instrument finsterer Interessen zu dienen.
„Zoomafia“ bedeutet eben nicht nur Hundekämpfe und Welpenhandel, aber auf diese stützen sich all jene, die immer wieder diese Schreckgespenster aufwerfen, um die Augen von der Wahrheit abzulenken.
Gehen sie in ein Tierheim, aber nicht, um einen Hund auszuführen. Machen sie es etwas besser. Gehen sie in einen der Hundekäfige hinein und bleiben Sie dann 5 Minuten lang drin. Wenn Sie wieder rauskommen, werden sie bereit sein, wirklich über die Streuner zu diskutieren."
Ihre Pfotenhilfe Europa
Hier der italienische Orginaltext mit dazugehörigen Bildern:
affaritaliani.libero.it/cronache/spesa_randagismo_denuncia_veterinario70111_mm_223601_mmc_1.html



